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Erbschleicherei – ein Thema in der Grauzone oder was man aus dem Fall Rudi Assauer lernen kann

Bild: iStock, sasilsolutions

Rudi Assauers Schicksal hat die Öffentlichkeit berührt, als er – Schalke-Legende, Lebemann und Millionär – Anfang 2019 anscheinend völlig verarmt verstarb. Ich möchte mich hier einer Mutmaßung enthalten, ob der Terminus „Erbschleicherei“ hier eine Berechtigung haben könnte. Jedenfalls wirft sein Schicksal viele Fragen auf.

Rudi Assauers Warnsignale

Das traurige Schicksal Rudi Assauers ist für mich mit dem Thema „Sicherung des Vermögens“ verbunden, zu dem viele Szenarien vorstellbar sind. Allgemein kann die Frage gestellt werden, was ein Mensch in einer vergleichbaren Situation wie er vorbeugend hätte tun können oder müssen, um sich abzusichern und sein Vermögen wirklich „wasserdicht“ zu schützen. Eine Verantwortung für Maßnahmen gegen potenzielle „Verarmung“ sollten Betroffene schon übernehmen – erst recht, wenn wie anscheinend im Falle Rudi Assauer Warnsignale bekannt waren und Demenz in der Familie vorkam.

Absicherungen durch Notare und Ärzte

Generell kann man es als „fahrlässig gegen sich selbst“ bezeichnen, wenn bei ungünstigen gesundheitlichen Dispositionen vorbeugend kein vertrauenswürdiger Betreuer, seriöser Testamentsvollstrecker und Vermögensverwalter mit der Abwicklung seines oder ihres letzten Willens auch über den Tod hinaus beauftragt wird. Zukünftige Änderungen durch Beeinflussung Dritter an dem bei noch guter geistiger Verfassung erstellten Testament und etwaigen Vermächtnissen können notariell erschwert oder sogar gänzlich ausgeschlossen werden. So kann die Vorlage zweier unabhängiger ärztlicher Gutachten, die seine oder ihre Testat- und Geschäftsfähigkeit bescheinigen, als absichernde Bedingungen fixiert werden.

Verantwortung und Vollmachten sinnvoll teilen 

Ein frühzeitig festgelegter, Interessen wahrender Betreuer kann im Fall einer sich verschlimmernden Demenz alle Angelegenheiten des Betreuten, soweit sie nicht Aufgabe des Testamentsvollstreckers oder des Vermögensverwalters sind, wahrnehmen. Hierbei besteht eine klare Aufgabenteilung, welche ein starker Sicherheitsfaktor ist. Die Kosten und Leistungen für eine gute Unterbringung, Pflege, Betreuung, Testamentsvollstreckung mit Vermögensverwaltung, Vermächtnisse, Vermögensaufstellung, Erstellung von Steuererklärungen usw. sollten vorausschauend genauestens vertraglich geregelt werden. Zumindest sei hier die Frage erlaubt: Wäre der einst so schillernde Rudi Assauer wohl verarmt, hätte er sich auf die hier beschriebene Weise abgesichert?

Generell erscheint Erbschleicherei aus meiner Sicht als ein leider erfolgreiches, unseriöses „Geschäftsmodell“. Rechts- und Moralempfinden zeigen sich dann irritiert, wenn Täter oder Täterinnen perfide und ohne wirkliches Risiko einer Strafverfolgung zu ihrem Ziel kommen.

Risikogruppe: Vermögende Einsame und Kinderlose

Hierbei unterliegen vermögende Menschen, insbesondere einsame und kinderlose einem besonders hohen Risiko von systematisch und rücksichtslos vorgehenden Personen abgezockt zu werden. Diese können aus dem weiteren familiären Umfeld stammen, sind – jetzt mutmaße ich etwas – vielleicht gute Bekannte, eingeschleuste Pflegekräfte oder sogar professionelle Abzocker, die plötzlich als Berater oder vermeintliche Freunde die Bühne betreten. Gelingt es diesen, das Vertrauen des Erblassers zu erschleichen und diesen sogar hörig zu machen, folgt oft der nächste Schritt: Der Kontakt zu vertrauenswürdigen Personen, Freunden und den Bekannten um den Erblasser wird abgeschnitten. Da diese zunächst noch voll geschäftsfähigen Erblasser jedoch erkrankt sind und manipulierbar werden, unterschreiben sie die von ihrer vermeintlichen Vertrauensperson initiierten Verträge arglos und im besten Glauben. Danach kann das Opfer maximal „ausgeraubt“ werden, und sein Vermögen verliert sich im Dunstkreis der charakterlosen Abzocker. Diesen droht aufgrund der undurchsichtigen, „freiwilligen“ Vermögensabtretung ihrer Opfer eher selten eine gerechte Strafe.

Die Lehre aus Rudi Assauers Verarmung

Nur rechtzeitiges, konsequentes und vorausschauendes Handeln mit professioneller Unterstützung von Notaren, Rechtsanwälten, Vermögensverwaltern und Ärzten kann einen zuverlässigen und maximalen Schutz darstellen. Die Tatsache, dass selbst ein ausgebuffter Manager wie Rudi Assauer anscheinend den Zeitpunkt verpasste, sich vor Verarmung zu schützen, stimmt jedenfalls sehr nachdenklich.

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